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Lutz Busch im Interview: Mit Microsite zum erfolgreichen und emotionalen Employer Branding

Lutz Busch ist Vorsitzender der Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG mit Sitz im oberbergischen Wiehl. Um den Status als Kompetenzführer im Bereich Schneid- und Wickelmaschinen, sowie weltweit größter Hersteller in diesem Marktsegment langfristig zu erhalten, betreibt Kampf aktives Employer Branding. Zur Nachwuchskräftegewinnung wurde u.a die Microsite „Alles außer langweilig“ konzipiert, die zielgerichtet junge Menschen auf Kampf aufmerksam machen soll. Im Interview gibt Lutz Busch Einblick in die Entwicklung des Projekts „Alles ausser langweilig“.

Kaiserkom: War Employer Branding schon immer ein Thema, dass in Ihrem Unternehmen aktiv betrieben wurde?

L. Busch: Das Thema gehörte in den Grundzügen auch früher schon zum Selbstverständnis unseres Unternehmens. Seit einiger Zeit rückt die Aufgabe aber mehr in das Umfeld unserer täglichen Arbeit, weil wir uns der Bedeutung bewusster geworden sind und wir uns bezüglich der überaus wichtigen Ressource Mensch proaktiver aufstellen wollen. Dazu gehören eben neben einem aktiven Gesundheitsmanagement, attraktive Arbeitsplätze und eine moderne Berufsausbildung. Wir wollen in unserer Region ein interessanter Arbeitgeber sein.

Kaiserkom: Warum haben Sie sich entschlossen im Bereich Employer Branding zur Förderung der Attraktivität Ihres Unternehmens für junge Arbeitskräften verstärkt aktiv zu werden?

L. Busch: Oberberg ist ein starker Wirtschaftsraum. Hier arbeiten rund 80 mittelständische Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, darunter einige „hidden champions“. All diese Unternehmen bewerben sich neben unserem Haus ebenfalls um junge Nachwuchskräfte.
Betrachtet man in diesem Zusammenhang die demographische Entwicklung, so liegt der Handlungsbedarf schon eindeutig auf der Hand. Der Altersdurchschnitt im Hause Kampf beträgt aktuell 43,7 Jahre. Im Vergleich hierzu liegt das Durchschnittsalter im Wirtschaftsraum Oberberg erstmalig bei 45 Jahren und wird für 2030 bei annähernd 50 Jahren im Schnitt erwartet. Gleichzeitig sinkt der sogenannte Jugendquotient stetig. Frei interpretiert könnte dies bedeuten, dass neben den Geburtenrückgängen die Attraktivität unserer Region zunehmend nachlässt, während die der Großstädte – in unserem Fall insbesondere Köln – kontinuierlich ansteigt. Insofern ist es für uns unabdingbar, sich rund um das Thema Employer Branding zu engagieren.

Kaiserkom: Retrospektive: Ihre Microsite “ Alles außer langweilig“ dient dazu, junge Menschen an die Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG heranzuführen. Ist das Projekt gelungen?

L. Busch: Hier erfahren wir sowohl von unseren Kooperationsschulen als auch über den hohen Eingang von Bewerbungen für unsere zu besetzenden Ausbildungsplätze eine sehr positive Resonanz. So konnten wir uns im Jahr 2013 über mehr als 300 Bewerbungen auf lediglich 6 Ausbildungsplätze freuen. Wir werden wahrgenommen. Die Botschaft der Microsite und der Auftritt in den sozialen Netzwerken werden offensichtlich als authentisch und positiv gesehen.

Alles außer langweilig

Kaiserkom: Hat das Projekt auch die Mitarbeiter von Kampf zusätzlich motiviert?

L. Busch: Erstaunlicherweise fällt das externe Feedback noch stärker aus als interne Rückmeldungen. Wir erleben aber ein vorsichtiges Nachfragen und stetig wachsendes Interesse. Insgesamt bewerten wir das gleichwohl positiv. Intern braucht die Kampagne wohl noch etwas mehr Zeit und Raum. Wir werden jedenfalls alles Notwendige unternehmen, um das interne Marketing zu optimieren. An guten Ideen mangelt es bestimmt nicht.

Kaiserkom: Wie sieht es in Zukunft aus: Wird das Projekt „Alles außer langweilig“ weitergeführt bzw. weiter ausgebaut?

L. Busch: Das Projekt wird ganz sicher weitergeführt. Wie schon erwähnt, benötigen Unternehmen und Mitarbeiter aber noch Zeit, um sich gemeinsam mit dem Projekt weiter zu entwickeln. Schließlich soll hier nichts aufgesetzt oder verordnet wirken. Wir legen größten Wert darauf, authentisch wahrgenommen zu werden. Hierfür gehen wir lieber einen Schritt langsamer, diesen dafür aber nachhaltig und beständig.

Kaiserkom: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage innerhalb des deutschen Mittelstandes? Befinden sich die Unternehmen in Punkto „Employer Branding“ auf einem guten Weg oder besteht großteils noch Handlungsbedarf?

L. Busch: Insgesamt erscheint mir die Bedeutung des Themas noch nicht flächendeckend im deutschen Mittelstand angekommen zu sein. So wissen wir von anderen Unternehmen zum Beispiel von gezielten Maßnahmen entlang der Thematik „Vereinbarkeit von Familie & Beruf “ über gezieltes Gesundheitsmanagement bis hin zu kalkulierten Auftritten in sozialen Netzwerken. Zugleich scheinen aber viele Unternehmen die Gesamtthematik noch nicht für sich entdeckt zu haben. Es gibt bestimmt noch Handlungsbedarf.

Kaiserkom: Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Wettbewerb um die Besten in den nächsten Jahren entwickeln? Und was wird aus der Generation 50+?

L. Busch: Im Ergebnis müssen wir ob der demographischen Entwicklung mit sinkenden Schülerzahlen rechnen, damit reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Das bedeutet, dass sich der Wettbewerb um geeignete Ausbildungskandidaten und Nachwuchskräfte verschärfen wird. Unternehmen müssen sich positionieren, wollen sie nicht im „war for talents“ eine nur untergeordnete Rolle spielen. Die Generation 50plus kann hierbei eine entscheidende Rolle spielen, verfügt sie doch in der Regel über langjährige Berufserfahrung und umfangreiches Fachwissen, das insbesondere für den „high tech“ Maschinenbau nutzbringend eingesetzt werden kann. Hierbei bleibt allerdings zu beachten, dass das lebenslange Lernen wichtig ist, um das Expertenwissen aktuell zu halten.

Vielen Dank, Herr Busch, für das Interview!