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Neurowissenschaft: Joggen trainiert das Erinnerungsvermögen

Foto: @markheybo – CC BY 2.0

Sport hält nicht nur den Körper fit: Wer joggt oder sich anderweitig sportlich betätigt, kann sich auch besser Lerninhalte merken und schneidet bei Prüfungen besser ab. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie der FH Oberösterreich.

 

Das gilt besonders dann, wenn sportliche Aktivitäten unmittelbar nach einer Lernphase ausgeübt werden: Joggen, Radfahren oder ins Fitnessstudio zu gehen, bringt dann bessere Ergebnisse als einfach nur spazieren zu gehen oder ein Computerspiel zu spielen.

 

Nach Auffassung der Studienautoren hängt das damit zusammen, dass beim Sport das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird. Das ist insofern bemerkenswert, als ein hoher Cortisol-Spiegel bislang oft für das Gegenteil verantwortlich gemacht wurde: Stress im Beruf, in der Familie oder im sozialen Umfeld können ebenfalls für einen hohen Cortisol-Spiegel sorgen – und wirken sich meist negativ auf das Erinnerungsvermögen aus.

 

Die Ergebnisse der österreichischen Studie bieten nun ein differenzierteres Bild. Cortisol scheint Lern- und Merkfähigkeiten vor allem dann negativ zu beeinflussen, wenn es mit psychologischem Stress korreliert. Bei rein körperlichem Stress scheint der Cortisol-Ausstoß genau das Gegenteil zu bewirken, nämlich die Merkfähigkeit zu verbessern. Zumindest scheint das Gehirn dadurch angeregt zu werden, bestimmte Speicherungs- und Merkprozesse in Gang zu setzen.

 

Ein weiterer Faktor könnte eine Rolle spielen: Sportliche Anstrengungen stimulieren offenbar auch das Wachstum neuer Nervenzellen, und zwar vor allem im Hippocampus, also jenem Areal des Gehirns, das für Lernen und Erinnerung zuständig ist. Das fand schon vor einigen Jahren eine Forschergruppe des amerikanischen National Institute on Aging heraus. Man muss sich allerdings auch ein bisschen anstrengen dafür: „Es funktioniert nur, wenn sie etwas wirklich schweißtreibendes machen, und mindestens 30 bis 40 Minuten sollten es schon sein“, sagt die Neurowissenschaftlerin Karen Postal.

 

Mehr Information:

Artikel zur oberösterreichischen Studie

Artikel zur Forschung des National Institute on Aging

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Cuvée aus dem EEG: Der erste Neuro-Wein der Welt

Foto: Stefan Muth – CC BY-SA 2.0

 

Na dann Prost:

Ein südafrikanischer Winzer hat den ersten „Neuro-Wein“ der Welt produziert.
Oder besser gesagt: Die ersten zwei Neuro-Weine, eine weiße und eine rote Cuvée nämlich. Um die richtige Komposition zu finden, ließ sich Winzer Pierre Walser, Inhaber des Weinlabels „Blankbottle“, mit einem Elektroenzephalographen (EEG) verkabeln. Das Gerät maß Walsers Gehirnaktivitäten, während er verschiedene Rebsorten probierte.

Das Unterbewusstein führen lassen

Aus den Daten habe man Rückschlüsse auf Walsers unbewusste Geschmacksreaktionen ziehen können und dadurch ermittelt, welche Aspekte der einzelnen Rebsorten am besten ankamen, behauptet der verantwortliche Neurologe Dr. David Rosenstein. Walser selbst ist davon überzeugt, dass die Methode dazu beigetragen habe, einen objektiv guten Tropfen zu kreieren. Bei der Entwicklung einer Cuvée kämen ihm zu oft vorgefasste Erwartungen in die Quere, die aus den Kenntnissen über die einzelnen Rebsorten resultierten. Die Neuro-Methode habe ihm geholfen, alles Hintergrundwissen abzuschalten und nur den Wein an sich wirken zu lassen: „Das Unterbewusstsein hat das Ruder übernommen und nicht das Bewusstsein.“

Genießen ohne Vorurteil

Walser gehört zu den Exzentrikern unter Südafrikas Winzern. Der Name seines Labels ist Programm: Blankbottle heißt es deshalb, weil auf den Etiketten seiner Cuvées jeder Hinweis auf die enthaltenen Rebsorten fehlt. Der Weintrinker soll den Wein an sich genießen und sich nicht durch vorgefasste Erwartungshaltungen beeinflussen lassen, getreu dem Firmenmotto: „Clothes maketh not the man“ (zu deutsch etwa: „Nicht die Kleider machen die Leute“). Gleichwohl kommen auch seine Produkte nicht ohne attraktive Verpackung aus: Walser entwirft die Etiketten seiner Weine selbst und versieht sie oft mit poetischen, humorvollen oder provokanten Namen und Anekdoten.

Blankbottle: Website des Weinlabels

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Kevin oder Justin? Warum Eltern manchmal die Namen ihrer Kinder verwechseln

Foto: Ben Francis – CC-BY-2.0

Das kommt in den besten Familien vor: Dass Eltern im Eifer des Gefechts die Namen ihrer Kinder durcheinanderbringen (oder – besonders peinlich – sogar mit dem des Hundes verwechseln). Wem das schon mal passiert ist, der kann beruhigt aufatmen: Eine Studie der US-amerikanischen Duke University zeigt, dass solche Namensverwechslungen durchaus häufig auftreten und zwar gerade unter Familienmitgliedern und engen Freunden. Oder anders formuliert: Die Wahrscheinlichkeit, einen Namen zu verwechseln, ist bei Personen, mit denen wir eng vertraut sind, größer als bei weniger vertrauten Menschen.

 

Für die Studie befragten die Autoren über tausend Studenten und Mitarbeiter der Universität. Die weitaus meisten wussten zu berichten, dass sie mit Namensverwechslungen eher im engen Freundes- und Verwandtenkreis konfrontiert waren als außerhalb – sei es, dass sie selbst mit einem falschen Namen bedacht wurden, sei es, dass sie ihrerseits jemandem mit falschem Namen benannten.

 

Den Wissenschaftlern fielen dabei ein paar interessante Aspekte auf: So treten Verwechslungen häufig innerhalb einer semantischen Kategorie auf. Das heißt: Der Name eines Familienmitglieds wird mit dem eines anderen Familienmitglieds verwechselt, der eines Freundes mit einem anderen Freund. „Vermischte“ Verwechslungen (z.B. Freundes- mit Familiennamen) gibt es dagegen eher selten.

 

Verwechslungen gibt es häufig auch bei phonetischer Ähnlichkeit, also etwa wenn Kinder ähnlich klingende Namen haben („Dan“/“Stan“ oder „Kevin“/“Justin“). Körperliche Ähnlichkeit scheint dagegen kaum eine Rolle zu spielen bzw. nur selten zu Namensverwechslungen zu führen.

 

Für die Wissenschaftler ist dieses Phänomen ein Hinweis darauf, wie Namensinformationen (oder Informationen überhaupt) im Gehirn strukturiert werden. Ganz offensichtlich neigt das Gehirn dazu, Namen nicht einfach nur jeweils einer Person oder einem Objekt zuzuordnen, sondern auch untereinander in Beziehung zu setzen. Namen, die gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen, werden gruppiert, wobei semantische Kriterien (Familienmitglied, Arbeitskollege, Schulfreund) ebenso eine Rolle spielen können wie phonetische (ähnlicher Klang, gleicher Anfangslaut oder ähnliches).

 

Eine Art memotechnische Mengenlehre, die dem Gehirn dabei hilft, wichtige Informationen schnell und effizient aufzuspüren, andererseits auch dazu führen kann, dass diese Informationen im Eifer des Gefechts – etwa wenn ein Streit auf der Rückbank im Auto geschlichtet werden muss – durcheinander geraten.

 

Etwas richtig zu benennen, ist, wenn man’s neurologisch betrachtet, ein höchst komplexer Vorgang, bei dem in Millisekunden unterschiedlichste Informationen aus verschiedenen Regionen des Gehirns zusammengeführt werden. Es scheint plausibel, dass dieser Vorgang auch dann störanfällig sein kann, wenn wir es mit Personen oder Objekten zu tun haben, zu denen uns viele Informationen vorliegen. Ein tröstlicher Gedanke vielleicht für alle, die zur Fraktion der „Ich komm da gleich drauf …“-Menschen gehören …

Mehr Information:

Studie der Duke University (kostenpflichtig, englisch)

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Gebührt mir der Respekt, den die Nationalmannschaft sich verdient hat?

Unser Volontär Marcel berichtet von seinem Empfinden beim diesjährigen Tomorrowland-Festival. Eine kleine Selbststudie zum Thema Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft.

Gebührt mir der Respekt, den die Nationalmannschaft sich verdient hat?

Nein! Dennoch bekomme ich diese Anerkennung entgegengebracht. In Deutschland überwiegt auch Wochen nach der WM, Stolz und Freude über das gewonnene Turnier. Aber nicht nur der Titel lässt die Brust bei dem Gedanken an internationalen Fußball anschwellen – die Art und Weise, wie die Nationalmannschaft den Sieg bei der Weltmeisterschaft errungen hat, macht es noch ein Stück schöner. Einen Wermutstropfen sucht man vergeblich. Es war verdient und vor allem mit Respekt vor jedem Gegner.

Bei einem Besuch auf dem wohl internationalsten Festival der Welt, dem Tomorrowland in Belgien, werden wir diese These auf die Probe stellen. Insgesamt 96 Nationen treffen sich für drei Tage in Belgien, um gemeinsam eine der größten Partys der Welt zu feiern.

Auch Kaiserkom war vor Ort.

tomorrowlandfestival

Kaum angekommen, natürlich im Deutschlandtrikot und Fahne am Auto, bekommen wir die ersten Auswirkungen der WM auf das Erscheinungsbild der Deutschen mit. Wir werden begrüßt, als säße Jogi Löw höchstpersönlich auf der Rückbank. Aus allen Ecken tönt es: „Weltmeister!“, „Germany!“, „Thomas Müller!“. Man fühlt sich weltmeisterlich. Auf der Suche nach einem freien Stück Rasen, um unser Lager aufzuschlagen, bietet sich uns ein unverändertes Bild. Als ein junger Brasilianer etwas später am Tag vor uns auf die Knie geht und sagt: “The german football ist not from this world. You deserved to win!“. Wird mir langsam klar, was die Nationalmannschaft geschafft hat. Sie hat es nicht nur geschafft, die größte Trophäe des Weltfußballs nach 24 Jahren endlich wieder nach Deutschland zu holen, sondern diese Mannschaft hat es geschafft ein ganzes Land, eine ganze Nation vor dem Rest der Welt in ein neues Licht zu rücken. Elf Fußballer reichten aus, um den Eindruck von 82 Millionen Menschen nachhaltig zu verbessern.

Auch dieses Phänomen subsumiert man unter dem Oberbegriff „emotionale Kommunikation“. So liegt der Fehler mancher Unternehmen darin, horrende Summen in den Werbeetat zu stecken, um das Image der Firma aufzupolieren, handeln aber in repräsentativen Situationen nicht konform mit dem Image, welches man vermitteln möchte.

Nehmen wir wieder das Beispiel WM: Spielt man einen tollen Fußball, fällt aber durch viele Fouls, unfaires Spiel und verhöhnen des Gegners auf, kann man den Titel zwar trotzdem gewinnen, nur gönnt es einem Niemand und Anerkennung für die erbrachte Leistung sucht man vergebens.

Genau dies lässt sich auch auf das Vorgehen vereinzelter Unternehmen übertragen. Sie leisten hervorragende Arbeit, machen dies aber durch die unfaire Behandlung der Mitarbeiter, schlechten Arbeitsbedingungen, überbezahlte Manager, die den Bezug zur hart arbeitenden Mittelschicht schon lange verloren haben, zunichte.

Do it like Müller! Schaffe Großes und bleib bescheiden.

Emotionale Kommunikation: Wieso, weshalb, warum?

Bärenmarke - Emotionale Kommunikation damalsFrüher,ja früher war alles besser und vor allem viel einfacher. Da hat man eben auf sein Bauchgefühl vertraut oder sich dem Ganzen über Hautwiderstandsmessungen oder Tachistoskope genähert. Die Massenkommunikation bestand damals exakt aus drei überschaubaren Kanälen: Print, TV (zwei Programme) und Radio.

Vor allem der TV-Bereich verschaffte den Werbetreibenden ein Paradies. Zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr versammelte sich die gesamte Familie vor der Glotze und freute sich auch noch auf die Werbung und die Mainzelmänchen. Und was wir heute aus unserer Erinnerung als emotionale Kommunikation bezeichnen würden, ist nichts anderes als schöne Kindheitserinnerungen. Natürlich vor dem Hintergrund, dass wir ein gänzlich „Werbeunverdorbenes“ Publikum waren.

Wie unsere Medienlandschaft heute aussieht, dass brauchen wir nicht weiter auszuführen. Damit kämpfen wir Tag für Tag. Und Werbung ist bäh! Meistens jedenfalls. Ad-Blocker, Timeshift oder Zappen sind jedem geläufig und helfen nervende Werbung zu unterdrücken oder zu überspringen.

Selbst wenn sich schöne Menschen zu Werbezwecken zum ersten Mal küssen, wie jüngst in dem Video des Modelabes „Wren“ (welches ohne Zweifel positive Emotionen bei unzähligen Menschen weltweit hervorgerufen hat), muss emotionale Kommunikation heute noch mehr können. Sie muss echt sein!

Klementine Emotionale Kommunkation von damals

Zum Thema Emotionen in der Markenführung, Werbung und Abverkaufsförderung gibt es zigtausende Artikel, Untersuchungen und Diskurse.

Alle kommen auf einen Nenner: JA – Emotionen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Kommunikation, auf Kaufentscheidungen, auf Wahrnehmungen, auf Wiedererkennung und Wirksamkeit

Nun wird das Ganze durch die Neurologie und ihre wachsenden Erkenntnissen weiter befeuert. Letztlich wissen Sie als Markenführende und Kommunikatoren kaum noch, ob Sie nun in die Tiefen der Gehirnforschung eindringen müssen, oder auf welche Indikatoren man sonst vertrauen soll.

Aber was sind überhaupt Emotionen. Jeder von uns hat schon darüber nachgedacht und diskutiert. Nur gibt es keine feste Definition für Emotionen.

Emotionen sind immer da. Sie verändern sich permanent, sind aber nie greifbar. Aus der Psychologie wissen wir, dass Emotionen stets Signale sind. Signale, die zu Handlungen führen. Kein Emotionszustand lässt uns kalt.

Mit diesem Blog möchte Kaiserkom aufzeigen, wie man Emotionen ganz gezielt zur Steigerung der Wirksamkeit, Effektivität und Intensität von Kommunikation nutzen kann.

Welche Erkenntnisse sind wertvoll und auch praktisch umsetzbar? Mit Beispielen aus der Praxis und Anregungen aus angrenzenden Bereichen. Durch Gastbeiträge von Neurologen, Motivforschern, Psychologen und auch Werbetreibenden, die es aus dem Bauch heraus richtig machen.

Wir freuen uns, auf regen Austausch mit unseren Lesern und sind jederzeit für Anregungen und Feedback offen.